Palliativ Pro Giessen Medizin Logo komplett mit Schatten

Palliativ Pro Giessen Portrait Patient Pflege ohne Strich

2010-09-16 Betroffene und Angehörige stehen im Mittelpunkt

Vereine machen Zeitung: Palliativ Pro Gießen

Ulf Sibelius: „Im Zentrum unserer Arbeit stehen die Betroffenen und die Angehörigen“

Palliativ Pro will Leben bis zuletzt begleiten –  „Förderverein für Palliativmedizin und –pflege in Mittelhessen e.V.“,  besteht im fünften Jahr – Seit der Gründung sehr viel für die Versorgung Schwerstkranker erreicht – Sommerfest am 17. September - Benefizkonzerte im Oktober und November

GIESSEN (ikr). „Leben bis zuletzt begleiten“ – diesen Satz hat sich Palliativ Pro, der „Förderverein für Palliativmedizin und –pflege in Mittelhessen e.V.“, zur Aufgabe gemacht. „Die Palliativbetreuung hat das Ziel den Patienten eine möglichst hohe Lebenszufriedenheit, Lebensqualität und Selbstständigkeit zu erhalten wenn keine Heilung mehr möglich ist“, fasst Prof. Dr. Ulf Sibelius, Vorstandsvorsitzender des Vereins und  Leitender Oberarzt sowie stellvertretender Direktor der Medizinischen Klinik V (Internistische Onkologie und Palliativmedizin) am Universitätsklinikum Gießen, die Maxime des Vereins in einem Satz zusammen.

Mit der Gründung von Palliativ Pro im Juni 2006 wurde die Schaffung von palliativmedizinischen Strukturen in Mittelhessen maßgeblich vorangetrieben. „Im Zentrum unserer Arbeit stehen die Betroffenen und die Angehörigen“ sagt Prof. Sibelius. Dass Palliativ Pro mittlerweile ein Begriff in der Bevölkerung ist, beweisen die zahlreichen Spenden, die zugunsten des Fördervereins in der Vergangenheit getätigt wurden: So konnte Palliativ Pro der Station Virchow am Universitätsklinikum Gießen und der Palliativstation im Bürgerhospital in Friedberg einen „Raum der Stille“ spenden, der trauernden Angehörigen eine Rückzugsmöglichkeit bietet. Auf der Station Virchow unterstützt der Förderverein auf Honorarbasis die psychoonkologische und seelsorgerische Betreuung von Palliativpatienten: Eva-Maria Bangel, ausgebildete Gemeindepädagogin und langjährige evangelische Klinikseelsorgerin an der Universitätsklinik Gießen und Susanne Hanewald, Psychoonkologin,  betreuen dort liebevoll und einfühlsam Patienten und deren Angehörige. Über die Finanzierung von Fahrzeugen unterstützt der Förderverein außerdem die Arbeit der Palliative Care Teams Gießen und Wetterau, die Palliativpatienten zusammen mit Hausärzten und ambulanten Pflegediensten im häuslichen Umfeld betreuen. Aber auch Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen und Lehrveranstaltungen für Medizinstudenten unterstützt Palliativ Pro, indem es die Honorare namhafter Referenten übernimmt.

„Der ganzheitliche Anspruch der Palliativmedizin geht über die rein stationäre Versorgung des Patienten hinaus. Eine besondere räumliche Ausstattung mit entsprechendem Ambiente und eine psychoonkologische und seelsorgerische Betreuung der Patienten und deren Angehörige sind dabei nur einige Punkte unter vielen, die diesem Anspruch Rechnung tragen sollen“, begründet der Vizevorsitzende Dr. Hans-Joachim Schaefer die Einrichtung des Fördervereins, der folgende Aufgaben übernimmt: Benefizveranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit, Organisation und Fortbildungsveranstaltungen, Vorträge für Patienten und deren Angehörige  und die Vernetzungsfunktion mit Hospiz- und Palliativeinrichtungen.

Zu den prominenten Gründungsmitgliedern zählten neben den „Drei Stimmen“ Ingi Fett, Tom Pfeiffer und Hans-Joerg Ebert die damalige Pflegedirektorin Frau Horch, die Professoren Horst Eberhard Richter, Reimer Gronemeyer, Friedrich Grimminger und Hans Gotthard Lasch, der im Dezember 2009 im Alter von 84 Jahren verstarb. Aktuell zählt Palliativ Pro im fünften Jahr seines Bestehens über 70 Mitglieder.

Doch was bedeutet eigentlich der Begriff „palliativ“? Das Wort kommt vom lateinischen Pallium = Mantel. Prof Sibelius erklärt: „Der kurativen, also heilenden Medizin sind bei vielen Erkrankungen ab einem bestimmten Zeitpunkt die Möglichkeiten zu einer Verbesserung oder Wiederherstellung genommen. Dann umhüllt‘ die Palliativmedizin, einem Schutzmantel gleich, mit den ihr verbleibenden Möglichkeiten den Schwerstkranken.“ Sie bemühe sich, eine möglichst gute Verbesserung der Lebensumstände zu schaffen.  „Dazu gehören die Linderung von Schmerzen, die Verbesserung der Atmung und der Nahrungsaufnahme, die Ermöglichung einer Teilnahme an der sozialen Gemeinschaft und der Verbleib im Kreis der Familie“, so der Mediziner. Laut statistischen Angaben verbringen 80 Prozent der jährlich 800.000 bis 840.000 Sterbenden in Deutschland (davon sind ein Viertel Menschen mit einer Tumorerkrankung) ihre letzten Tage und Stunden in stationären Einrichtungen und Krankenhäusern; der Prozentsatz derjenigen, die lieber zu Hause sterben würden, liegt laut Sibelius ebenso hoch. Zehn Prozent der sterbenden Menschen benötigen aufgrund der Komplexität der belastenden Symptome in ihren letzten Tagen, Wochen oder Monaten eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung. Nachdem im Sozialgesetzbuch 2007 das Anrecht Schwerstkranker auf eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) festgeschrieben worden war, schloss das Uni-Klinikum Gießen und Marburg Mitte 2007 mit zahlreichen der großen gesetzlichen Krankenkassen Verträge über die Integrierte Versorgung von Menschen in palliativer Situation im Umkreis von 50 Kilometern ab. Im Sinne einer größeren Nähe zu den Patienten wurde die Kooperation mit dem Lahn-Dill-Kreis (2008) und Wetteraukreis (Februar 2009) vereinbart, die damit für ihre Bereiche den Versorgungsauftrag übernahmen. Nach dem Auslaufen der von den Kassen gewährten Anschubfinanzierung Ende 2008 wurden zwischen der Landesarbeitsgemeinschaft für Palliativversorgung in Hessen (LAPH) und den Kassen sukzessive neue Verträge ausgehandelt. Als Ziele der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung nennt Prof. Sibelius, das selbstbestimmte Leben des unheilbar Erkrankten zu erhalten, eine qualitativ hochwertige Versorgung zu Hause sicherzustellen und auf Krankenhauseinweisungen möglichst zu verzichten. Besondere Qualitätsmerkmale der SAPV sind unter anderem ein multiprofessionelles Palliative Care Team mit strengen Qualifizierungsnachweisen und eine Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit an sieben Tagen die Woche

 „Die Palliativmedizin ist die älteste Disziplin überhaupt; schon Hufeland (1762-1836) hielt es für die vornehmste Pflicht des Arztes, die Kardinalsymptome menschlichen Leidens prompt und dauerhaft zu lindern und den Sterbenden Tost und Erleichterung zu verleihen“, berichtet Vorstandsmitglied Dr. Thorsten Fritz. Durch die fortschreitende Entwicklung in der Medizin (Antibiotika, Operative Möglichkeiten usw.) trat diese Art der Behandlung in den Hintergrund. „Gleichzeitig kam es zu einer Verdrängung von Krankheit, Sterben und Tod aus unserem Bewusstsein. Die heutige Form der Palliativmedizin meint eine umfassende Betreuung bei der die momentanen Bedürfnisse des Menschen im Mittelpunkt stehen. Viele Erkrankungen können nicht geheilt werden und nehmen einen chronischen und voranschreitenden Verlauf, doch alle Symptome können palliativ behandelt werden!“ sagt Prof. Sibelius.

 „Wir können auf ein erfolgreiches Jahr 2009 zurückblicken“ resümierte der Vorsitzende des Fördervereins im Frühjahr auf der diesjährigen Mitgliederversammlung in Linden zufrieden. Auch 2009 konnte Schatzmeisterin Reingard Forkert  zahlreiche Spenden verbuchen. Zusätzlich wurden Benefizkonzerte zugunsten des Fördervereins organisiert, so das Benefizkonzert des Gesangsvereins Harmonie aus Daubringen „Kommen-Hören-Helfen“ und die Benefizveranstaltung „Business meets Classic“, die, stets von Barbara Fandré organisiert, zum wiederholten Male im Autohaus Bödeker in Langgöns stattfand. Ein weiteres Highlight war sicherlich das von Palliativ Pro organisierte Sommerfest im Schloss Rauischholzhausen, zu dem mehr als 150 Gäste gekommen waren, die sich der Palliativmedizin und dem Förderverein aktiv oder passiv verpflichtet fühlten. Am 17. September trifft man sich zum diesjährigen Sommerfest im Butzbacher Schlosshof.

In diesem Jahr werden noch zwei Benefizkonzerte der Reihe „Business meets Classic“ stattfinden: Am 30. Oktober  im Langgönser Autohaus Bödeker und am 27. November in der Hauptgeschäftsstelle der Volksbank Mittelhessen in Gießen, auch diesmal werden sie von Vorstandsmitglied Barbara Fandré organsiert.

Spenden werden unter dem Spendenkonto Nr. 222038640 bei der Sparkasse Gießen (BLZ 51350025) gerne entgegengenommen.

Gießener Allgemeine, 16.09.2010

2010 09 16 01
2010 09 16 02
2010 09 16 03
2010 09 16 04
2010 09 16 05

Wir arbeiten Hand in Hand

Palliativ Pro Giessen Medizin Logo komplett mit Schatten

Palliativ Pro Giessen Medizin Logo Foerderverein

Palliativ Pro

Förderverein für Palliativmedizin und -pflege in Mittelhessen e.V.

Langhansstraße 4
35392 Gießen

Telefon  0641 - 985 417 54
Telefax  0641 - 985 417 55

info@palliativpro.de
www.palliativpro.de