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2014-09 Business meets Classic: Fünf Fragen an Charlotte Link

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Foto: Rieger

Langgöns (ikr). Die Schriftstellerin Charlotte Link zählt zu den erfolgreichsten deutschen Autorinnen der Gegenwart. Die gebürtige Frankfurterin lebt in Wiesbaden und veröffentlichte mit 19 Jahren ihren ersten Roman. Einem großen Publikum bekannt wurde sie mit Kriminalromanen, die meist in England spielen. Ihr jüngstes Werk fällt aus diesem Rahmen: Im September wurde ihr Buch „Sechs Jahre“ auf den Markt gebracht. Darin beschreibt Charlotte Link die Zeit mit ihrer jüngeren Schwester Franziska, die sie von deren Krebsdiagnose bis zu ihrem Tod begleitet hat.

Frau Link, Sie sind eine prominente, vielbeschäftigte Autorin, so waren Sie beispielsweise kürzlich auf der Frankfurter Buchmesse und als Gesprächsgast bei Peter Hahne im ZDF. Nun besuchen Sie ein Benefizkonzert im ländlichen 12.000-Einwohner-Ort Langgöns. Was gab den Ausschlag für Ihre Zusage zu diesem Konzert „in der Provinz“?

Link: Das Konzert findet ja statt zugunsten des Vereins „PalliativPro“. Die Organisatorin hatte mich angesprochen, mich auf die Arbeit ihres Vereins aufmerksam gemacht und mich zu dem Konzert eingeladen. Ich komme gerne, weil ich finde, dass „PalliativPro“ sehr wichtig ist und jede Unterstützung verdient. Jeder von uns hofft, das eigene Leben irgendwann unter menschenwürdigen Umständen zu Ende leben zu können, und deshalb ist es sinnvoll, sich frühzeitig mit dieser Problematik zu beschäftigen.

Ihrem Buch „Sechs Jahre“ ist zu entnehmen, dass Ihre Schwester in ihrer häuslichen Umgebung nicht palliativmedizinisch betreut wurde. Wurde Ihre Familie nicht auf diese Form der medizinischen Betreuung durch ambulante Palliativ-Care-Teams aufmerksam gemacht?

Link: Meine Schwester war bis zuletzt nicht auf einer Palliativstation und hat palliative Betreuung nicht gebraucht. Möglicherweise wäre es dahin gekommen, aber sie ist zu einem Zeitpunkt gestorben, als diese Konstellation noch nicht gegeben war.

In Ihrem Buch üben Sie teils heftige Kritik am Verhalten einiger Ärzte. Sie bemängeln insbesondere die fehlende Empathie gegenüber dem Patienten. Werden Sie dieses Thema in einem Ihrer nächsten Bücher  erneut aufgreifen?

Link: Das weiß ich noch nicht – es muss passen. Ganz sicher hat mich all das, was ich in den sechs Jahren rund um Ärzte und Krankenhäuser erlebt habe, geprägt – im Guten wie im Schlechten. Wir sind ja auch sehr guten Ärzten begegnet. Wie weit das einfließen wird überlasse ich dem Verlauf meiner nächsten Romane.

In Ihrem Buch schreiben Sie, dass Sie in einer Phase, in der sie sehr verzweifelt waren, das Gespräch mit einem evangelischen Pfarrer gesucht und daraus viel positive Energie geschöpft haben. Hat sich Ihr Glaube durch den Tod Ihrer Schwester verändert?

Link: Mein Glaube ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens geworden. Ich wüsste nicht, wie ich den Tod meiner Schwester – und so vieles andere, was scheinbar sinnlos und grausam auf der Welt geschieht – ertragen sollte, wäre nicht der Glaube an eine größere und eben doch sinngebende Macht, die hinter allem steht. Und gäbe es nicht die Hoffnung auf das ewige Leben.

Was raten Sie Patienten, die sich in einer ähnlichen Situation, wie Ihre Schwester es war, befinden?

Link: Ich rate zum Kämpfen, dazu, bloß nicht zu früh aufzugeben. Sich nicht von Statistiken und düsteren Prognosen irre machen zu lassen. Lieber fünf verschiedene ärztliche Meinungen einzuholen, als sich auf die erste Aussage zu verlassen. Den Arzt zu wechseln, wenn man merkt, man kommt mit seiner Art nicht zurecht. Man mag schwer krank sein, sich auch oft genug hilflos fühlen, aber man ist noch immer ein eigenständiger, freibestimmender Mensch. Man muss sich von niemandem quälen lassen.

November 2014

 

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